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FAKTEN & FOLGEN
Unabhängig. Kritisch. Mit Folgen.

Seit einigen Jahren erzählen wir der künstlichen Intelligenz, was wir wollen. Sie schreibt uns einen Brief, sucht Informationen, fasst hundert Seiten auf drei zusammen, übersetzt Texte und findet manchmal innerhalb weniger Sekunden Lösungen für Probleme, an denen wir selbst eine Stunde gesessen hätten. Das ist beeindruckend. Nur gibt es einen kleinen Schönheitsfehler: Erstaunlich oft müssen wir anschließend selbst erledigen, was uns die KI gerade so wunderbar vorbereitet hat.

OpenAI will das mit GPT-6 Astra ändern. Und deshalb halte ich dieses neue Modell für wesentlich interessanter als die üblichen Meldungen über noch mehr Rechenleistung und noch bessere Testergebnisse. Astra soll nicht nur wissen, was zu tun ist. Es soll es tun.

Nehmen wir einen ganz gewöhnlichen Vorgang. Sie wollen eine Reise organisieren. Heute kann Ihnen eine KI Flüge vergleichen, Hotels empfehlen, eine Route planen und Restaurants heraussuchen. Danach dürfen Sie Fluggesellschaft, Hotel, Kalender und vielleicht noch drei weitere Internetseiten selbst öffnen und die Ergebnisse der wunderbaren künstlichen Intelligenz in die wirkliche Welt übertragen. Astra soll solche Arbeitsketten zunehmend selbst erledigen können. Dasselbe gilt für einen Unternehmer, der Angebote vergleichen, Termine koordinieren, Unterlagen zusammenstellen und Kunden informieren muss, oder für einen Angestellten, der einen beträchtlichen Teil seines Arbeitstages damit verbringt, Informationen aus einer E-Mail in irgendein anderes Programm zu übertragen.

Das ist der Punkt, an dem künstliche Intelligenz wirklich interessant wird. Nicht weil sie noch eine bessere Antwort formuliert, sondern weil sie uns Arbeit abnimmt.

Und genau deshalb ist die Frage, ob OpenAI mit Astra tatsächlich hält, was jetzt versprochen wird, viel bedeutender als die nächste Diskussion darüber, ob künstliche Intelligenz schon denken kann. Mir ist zunächst ziemlich gleichgültig, ob Astra denkt. Wenn es meine Arbeit zuverlässig erledigt, während ich etwas anderes mache, reicht mir das fürs Erste vollkommen.

OpenAI-Präsident Greg Brockman darf derweil gerne darüber philosophieren, ob mit Astra bereits das Zeitalter der allgemeinen künstlichen Intelligenz begonnen hat. Für den Rest von uns wäre schon eine künstliche Intelligenz ein gewaltiger Fortschritt, die einen Auftrag erhält, ihn nicht nach der dritten Zwischenfrage vergessen hat und am Ende tatsächlich mit dem fertigen Ergebnis zurückkommt.

Das ist die Geschichte. Danach bringen wir die technischen Daten nur noch als Belege dafür, dass OpenAI dieses Versprechen diesmal ernsthaft erhebt. Und ganz am Ende kommt natürlich die andere Seite: Wenn die KI selbst handeln kann, müssen wir sehr genau bestimmen, was sie handeln darf.

So wird daraus ein Artikel über Arbeit und Alltag statt ein Artikel für IT-Spezialisten. Und genau so würde ich ihn jetzt vollständig neu schreiben.

  • Beitragsart: Kommentar
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