Die WAZ berichtet über zunehmende Cyberangriffe auf Unternehmen und Einrichtungen in Essen und Nordrhein-Westfalen. Beim Franz Sales Haus sollen dabei auch personenbezogene Daten abgeflossen sein. Der Fall ist kein außergewöhnliches Ereignis, sondern Ausdruck einer Realität, die sich immer weiter ausbreitet.
Als IT-Fachmann wundere ich mich, wie nachlässig Sicherheit noch immer behandelt wird. Betroffen sind längst nicht nur Konzerne oder Behörden. Auch kleine Firmen und Privatpersonen geraten zunehmend ins Visier – oft weil Aktualisierungen, sichere Zugänge und grundlegende Schutzmaßnahmen vernachlässigt werden.
e WAZ berichtet unter der Überschrift „Perfide Cyberattacken sind trauriger Alltag“ über zunehmende Angriffe auf Unternehmen und Einrichtungen in Essen und Nordrhein-Westfalen. Im Fokus steht unter anderem das Franz Sales Haus, bei dem auch personenbezogene Daten abgeflossen sein sollen. Der Fall ist kein außergewöhnliches Ereignis, sondern Ausdruck einer Realität, die sich immer weiter ausbreitet.
Nachlässigkeit trotz wachsender Gefahr
Ich komme aus der IT und beschäftige mich seit Jahrzehnten mit Computersystemen. Trotzdem – oder gerade deshalb – wundert mich immer wieder, wie nachlässig mit IT-Sicherheit umgegangen wird.
Dabei betrifft das längst nicht mehr nur große Unternehmen, Krankenhäuser oder Behörden. Im Gegenteil: Angriffe auf kleine und mittelständische Unternehmen, Handwerksbetriebe, Selbstständige und zunehmend auch Privatpersonen gehören inzwischen zum Alltag.
Und häufig wird es den Angreifern unnötig leicht gemacht.
Gespart wird ausgerechnet an der digitalen Grundlage
Veraltete Software läuft weiter, notwendige Updates werden verschoben, Webseiten jahrelang nicht technisch gepflegt, Passwörter mehrfach verwendet und Backups zwar irgendwie angelegt, aber nie geprüft. Sicherheitsmaßnahmen gelten so lange als lästige Ausgabe, bis der erste Angriff erfolgt.
Das Erstaunliche daran: Für Versicherungen, Alarmanlagen oder den Schutz von Geschäftsräumen gibt man selbstverständlich Geld aus. Bei der IT dagegen wird nicht selten an einigen hundert Euro für Wartung und Aktualisierung gespart – obwohl darüber Kundendaten, Geschäftsunterlagen, Buchhaltung, E-Mail-Verkehr und manchmal der gesamte Betrieb erreichbar sind.
Ein Backup allein genügt nicht mehr
Hinzu kommt eine Entwicklung, die viele noch immer unterschätzen: Heute werden Daten häufig zuerst gestohlen und erst danach die Systeme verschlüsselt. Ein Backup allein beendet damit die Erpressung nicht mehr. Die Täter können zusätzlich mit der Veröffentlichung oder dem Verkauf der erbeuteten Daten drohen.
Bei Privatpersonen sieht es kaum besser aus. Eine überzeugend gestaltete E-Mail, SMS oder gefälschte Internetseite genügt manchmal – und Zugangsdaten oder Kreditkarteninformationen landen bei Kriminellen.
IT-Sicherheit ist normale Sorgfaltspflicht
Der WAZ-Artikel beschreibt deshalb kein außergewöhnliches Ereignis. Er beschreibt eine Realität, die sich immer weiter ausbreitet.
IT-Sicherheit ist heute weder Luxus noch etwas, worum sich irgendwann einmal „der Computerfachmann“ kümmern kann. Sie gehört zur normalen Sorgfaltspflicht – im Unternehmen ebenso wie zu Hause.
Wer seine Systeme nicht pflegt, spart nicht. Er verschiebt lediglich die Rechnung auf später. Und die kann verdammt teuer werden.